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Naturforschung · Naturschutz · Umweltbildung

Im September suchen wir eine große, auffällige Radnetzspinne, die vor allem in Gewässernähe oder auch synanthrop in Siedlungen an Gebäuden, Zäunen und vor allem an Brücken vorkommt: die Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius.

Jeden Monat ruft der ARBEITSKREIS SPINNEN alle Naturinteressierten auf, nach einer ausgewählten, gut zu erkennenden Spinnenart oder einer Artengruppe zu suchen und die Beobachtungen im Artenfinder RLP zu melden. So hoffen wir, deutlich mehr Informationen zur Spinnenfauna unserer Heimat zu bekommen. 

Larinioides sclopetarius Bruckenkreuzspinne 12 1          Larinioides sclopetarius Bruckenkreuzspinne 92

Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius, Weibchen       Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius, Netzkolonie

Im September suchen wir eine große, auffällige Radnetzspinne, die vor allem in Gewässernähe oder auch synanthrop in Siedlungen an Gebäuden, Zäunen und vor allem an Brücken vorkommt: die Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius. Die Tiere sind gut zu bestimmen: Mit einer Körperlänge von 14 mm beim Weibchen und bis 9 mm beim schlankeren aber langbeinigeren Männchen sind die Tiere schon groß. Der Vorderkörper ist eigentlich schwarz, jedoch stark weiß behaart. Diese Haare bilden ein charakteristisches V im vorderen Bereich sowie einen weißen Rand (s. Abb. 3). Der Hinterleib zeigt eine weiß umrandete, dunkle Blattzeichnung. Die Beine sind geringelt.

 

Larinioides sclopetarius Bruckenkreuzspinne 1 3                                      Larinioides sclopetarius Bruckenkreuzspinne 2 4

Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius, Männchen        Brückenkreuzspinne, Larinioides sclopetarius, Balz (links das Männchen)

Bei Tag halten sich die Tiere oft in Ritzen und Winkeln verborgen. Meist erst in der Dunkelheit setzen sie sich ins Zentrum ihres Radnetzes, welches gerne unter oder neben künstlichen Lichtquellen gebaut wird. Besonders Leuchtstoffröhren in Garagen, Laternen und nachts beleuchtete Schaufenster von Läden werden oftmals relativ dicht besiedelt.

Larinioides sclopetarius ist eine der ganz wenigen mitteleuropäischen Spinnen, die regelmäßig in großen Kolonien vorkommt, nicht selten mit Dutzenden unterschiedlich alter Individuen. Dabei werden die Fang-Radnetze sogar in gemeinsamen Rahmenfäden angelegt und hängen teilweise unmittelbar nebeneinander. Mitunter kommt es vor, dass die Radnetze aufgrund sehr hoher Individuendichte degenerieren und einem wirren Netzteppich weichen. Gemeinsamen Beutefang gibt es wohl nicht und auch Kannibalismus kommt vor, obwohl die Brückenkreuzspinnen untereinander deutlich toleranter sind als andere Arten. So leben Tiere aller Größen in dem Gemeinschaftsgespinst und man kann in der Regel auch mehrere Männchen auf der Suche nach einer Partnerin umherstreifen sehen. Diese Form des parasozialen Zusammenlebens ist bislang fast nur von einigen Spinnenarten der Subtropen oder Tropen bekannt. Bei der Brückenkreuzspinne scheint die Koloniebildung in einem örtlich stark erhöhten Beutetiervorkommen, wie häufig an Gewässern und natürlich nachts an Laternen, begründet zu sein. In diesen Kolonien sitzen die Spinnen auch tagsüber in den Netzen - wohl geschützt durch die Menge?

Achtung Verwechslungsart! Im gleichen Lebensraum, also an Zäunen, Brücken und Hauswänden lebt eine weitere große Radnetzspinne, die Spaltenkreuzspinne Nuctenea umbratica. Diese ist sogar noch etwas größer, aber durch ihren extrem abgeflachten Hinterleib und die fehlende weiße Behaarung und V-Musterung von der Brückenkreuzspinne leicht zu unterscheiden. Sie verlässt ihr Tagesversteck in schmalen Ritzen und Löchern, wofür sie durch den flachen Hinterleib bestens angepasst ist, tatsächlich fast ausnahmslos nur in der Dunkelheit. Dann aber sitzen beide Arten oft in ihren großen, weitmaschigen Radnetzen nebeneinander.

                            Nuctenea umbratica Spaltenkreuzspinne 2 5                                              Nuctenea umbratica Spaltenkreuzspinne 1 6

                   Spaltenkreuzspinne, Nuctenea umbratica, Weibchen                   Spaltenkreuzspinne, Nuctenea umbratica, Unterseite

Natürlich freuen wir uns auch über Meldungen der Verwechslungsart im Artenfinder RLP

 

Weitere Informationen im Wiki der Arages

Bildquellen: Foto 1,2,4,6 & 6: W. Braunstein; 3: Hendrik Geyer; 5: Vanessa Oehmig 

Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.

Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.

Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2012): Spinnen Europas. Version 01.2012. Online https://www.araneae.nmbe.ch