Meldeaktion "Spinne des Monats Mai 2026": Großer Ameisenspringer
Im Mai suchen wir eine Spinnen-Besonderheit, die ein eindeutiger Gewinner der Klimaerwärmung ist: Den Großen Ameisenspringer, Leptorchestes berolinensis. Noch vor zwei Jahrzehnten gab es isolierte Einzelnachweise dieser eigentlich mediterranen Art von klassischen Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl.
Jeden Monat ruft der ARBEITSKREIS SPINNEN alle Naturinteressierten auf, nach einer ausgewählten, gut zu erkennenden Spinnenart oder einer Artengruppe zu suchen und die Beobachtungen im Artenfinder RLP zu melden. So hoffen wir, deutlich mehr Informationen zur Spinnenfauna unserer Heimat zu bekommen.
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Großer Ameisenspringer, Leptorchestes berolinensis, Männchen
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Großer Ameisenspringer, Leptorchestes berolinensis, Weibchen Typischer Lebensraum: Totholz
Im Mai suchen wir eine Spinnen-Besonderheit, die ein eindeutiger Gewinner der Klimaerwärmung ist: Den Großen Ameisenspringer, Leptorchestes berolinensis. Noch vor zwei Jahrzehnten gab es isolierte Einzelnachweise dieser eigentlich mediterranen Art von klassischen Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl. Aus dieser Zeit stammt auch die Einordnung dieser kleinen Springspinnenart auf der Roten Liste als "stark gefährdet" und entsprechendem Schutzstatus. Heute lohnt es sich sehr und mit großer Erfolgsaussicht - gerade in der Vorderpfalz und in Rheinhessen, an voll sonnenbeschienenen Totholzstapeln, Holzwänden oder -zäunen, Bienennisthilfen, Infotafeln etc. genau hinzusehen: Sicher findet man überall Ameisen herumwuseln, aber hin und wieder auch "Ameisen", die gar keine sind, sondern nur auf den ersten Blick ameisenartig aussehen: Springspinnen, die in ihrer Körperform Ameisen und durch ihr Verhalten verblüffend nachahmen. In der heimischen Spinnenfauna kennen wir drei "Ameisenspringer"-Spezies, von denen Leptorchestis berolinensis mit ca. 7mm Körperlänge die größte Art ist.
Wie wird aus einer Spinne eine Ameise? Spinnen haben vier Laufbeinpaare und einen zweigeteilten Körper. Ameisen als Insekten haben dagegen einen sehr deutlich dreigeteilten Körper, drei Laufbeinpaare und ein Fühlerpaar. Leptorchestes löst das Problem auf faszinierende Weise: Die Spinne bewegt sich sehr ameisenartig flink (s. Video unten), hält das erste Beinpaar wie Fühler tastend nach oben. Durch farbliche Struktur (weißer Ring) am Hinterleib wird eine Einschnürung simuliert. Unterschiedlich bleiben aber der Vorderkörper und die typischen Springspinnenaugen - bei näherem Hinsehen gut erkennbar.
Zwei weitere ameisenimitierende Springspinnenarten Deutschlands (Schlanker Ameisensppringer Synageles venator (viel kleiner) und Großkiefer-Ameisenspringer Myrmarachne formicaria) zeigen ähnliche Mimikry-Anpassungen und ähneln Leptorcheste berolinensis. Melden im Artenfinder lohnt sich in jedem Fall!
Übrigens: Die Ameisenspringspinnen ahmen Ameisen sehr eindrucksvoll nach - aber sie fressen keine Ameisen, sondern nutzen nur die Ähnlichkeit als Schutz vor Fressfeinden.
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Großer Ameisenspringer, Leptorchestes berolinensis Ameise, Lasio fuliginosus c.f.
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Kurzvideo: Großer Ameisenspringer in Aktion
Weitere Informationen im Wiki der ARAGES: Großer Ameisenspringer
Bildquellen:
1, 2, 4, 5, 6 und 7: Wolfgang Braunstein; 3:Gerd Reder
Literatur:
Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.
Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
Foelix RF (1996): Biology of Spiders. Oxford Thieme. 2. Auflage. ISBN 0-19-509594-4, 330 S.
Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2012): Spinnen Europas. Version 01.2012. Online