Meldeaktion "Spinne des Monats Februar 2026": Vierfleck-Zartspinne
Im Winter begegnen wir Spinnen meistens nur in unseren Gebäuden, nicht selten als "Besucher", die einen geschützten Ort zum Überwintern suchen. Doch es gibt tatsächlich auch "Winterspinnen" im Freien.
Jeden Monat ruft der ARBEITSKREIS SPINNEN alle Naturinteressierten auf, nach einer ausgewählten, gut zu erkennenden Spinnenart oder einer Artengruppe zu suchen und die Beobachtungen im Artenfinder RLP zu melden. So hoffen wir, deutlich mehr Informationen zur Spinnenfauna unserer Heimat zu bekommen.
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Vierfleck-Zartspinne, Anyphaena accentuata, Männchen Weibchen
Im Winter begegnen wir Spinnen meistens nur in unseren Gebäuden, nicht selten als "Besucher", die einen geschützten Ort zum Überwintern suchen. Doch es gibt tatsächlich auch "Winterspinnen" im Freien. Eine solche Art, die zudem auch recht häufig ist, suchen wir im Februar: DIe Vierfleck-Zartspinne Anyphaena accentuata. Sie ist die einzige, regelmäßig in Deutschland anzutreffende Vertreterin der Familie der Zartspinnen (Anyphaenidae).
Im Winter findet man Anyphaena accentuata unter der Rinde abgestorbener Bäume und in der Laubstreu. Zudem kann man diese 4 - 7 mm große unauffällige Spinne oft nachts häufig bei ihren Streifzügen an Hauswänden von Wohnungen und Nebengebäuden angetreffen und nicht selten auch immer wieder in Wohnungen. Sehr gutes und zuverlässiges Erkennungsmerkmal sind vier charakteristische Flecken auf dem Hinterkörper, die die Zartpinne fast unverwechselbar machen, auch wenn sie in der Grundfärbung durchaus variabel daher kommen kann: Meist graubraun, mitunter auch grünlich gefärbt, gibt es auch sehr dunkle Exemplare.
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Vierfleck-Zartspinne, Anyphaena accentuata, getarnt auf Baumrinde und in ihrem Schutzgespinst
Vierfleck-Zartspinnen bauen keine Fangnetze, sondern jagen, bestens getarnt, auf Büschen und Bäumen bis in den Kronenbereich nach kleineren Fluginsekten. Im Winter stellen naturgemäß Frostspanner als eine der wenigen winteraktiven Insekten eine ideale Beute dar, vor allem die flugunfähigen Spannerweibchen.
Ihre Spinnfähigkeit nutzen Vierfleck-Zartspinnen zum Bau von Schutzgespinsten, unter denen sie sich tagsüber verbergen. Diese Gespinste sind auch der Ort für die Paarung und die folgende Eiablage.
Sobald das Männchen ein Weibchen bemerkt hat, beginnt es heftig zu vibrieren. Dadurch wird das Weibchen etwas aus seinem Gespinst gelockt und kommt dem Männchen ein Stück entgegen. Dieses beendet seine Bewegungen abrupt und beginnt nun mit den Tastern und dem Hinterleib auf den Untergrund zu trommeln. Nach und nach steigert es die Intensität bis hin zu krampfartigen Bewegungen der vier Vorderbeine. Anschließend schlüpft das Männchen, immer noch trommelnd, in das Gespinst des Weibchens und steigt auf dessen Rücken. Nun führt es zwischen dem dritten und vierten Beinpaar abwechselnd je einen der Bulben in die Epigyne ein. Dazwischen kann es bis zu 10 Minuten auf dem Rücken des Weibchens pausieren. (Huber 1995)
Weitere Informationen im Wiki der ARAGES: Vierfleck Zartspinne
Bildquellen:
1: Vanessa Oehmig; 2: https://wiki.arages.de/index.php?curid=1348 ; 3: Gerd Reder; 4: https://wiki.arages.de/index.php?curid=13563
Literatur:
Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.
Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.
Foelix RF (1996): Biology of Spiders. Oxford Thieme. 2. Auflage. ISBN 0-19-509594-4, 330 S.
Huber BA (1995): Genital morphology and copulatory mechanics in Anyphaena accentuata (Anyphaenidae) and Clubiona pallidula (Clubionidae:Araneae). J. Zool., Lond. 235, S. 689–702.
Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2012): Spinnen Europas. Version 01.2012. Online