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Naturforschung · Naturschutz · Umweltbildung

Im Dezember suchen wir nach zwei "Schwesterarten" aus der artenreichen Familie der Kugelspinnen (Theridiidae), beide mit ca. 3-5mm Körperlänge eher klein, unscheinbar und oft versteckt - aber zweifellos unter den allerhäufigsten Spinnenarten in unseren Gebäuden.

Jeden Monat ruft der ARBEITSKREIS SPINNEN alle Naturinteressierten auf, nach einer ausgewählten, gut zu erkennenden Spinnenart oder einer Artengruppe zu suchen und die Beobachtungen im Artenfinder RLP zu melden. So hoffen wir, deutlich mehr Informationen zur Spinnenfauna unserer Heimat zu bekommen. 

Metinella segmentata Herbstspinne 4 1           Metinella segmentata Herbstspinne 1 2 

Gewöhnliche Fettspinne, Steatoda bipunctata, Weibchen                                      Dreiecks-Fettspinne, Steatoda triangulosa, Weibchen 

Im Dezember suchen wir nach zwei "Schwesterarten" aus der artenreichen Familie der Kugelspinnen (Theridiidae), beide mit ca. 3-5mm Körperlänge eher klein, unscheinbar und oft versteckt - aber zweifellos unter den allerhäufigsten Spinnenarten in unseren Gebäuden. Beide sind ganzjährig anzutreffen, wobei die Dreiecks-Fettspinne Steatoda triangulosa mit ihrem typischen Hinterleibsmuster wieder einmal eine der mit dem Klimawandel zuwandernden Südeuropäer ist, die wir gerade in der Pfalz zunehmend als Neubürger in Ausbreitung feststellen können. Die Gewöhnliche Fettspinne Steatoda bipunctata ist dagegen schon immer ein häufiger Begleiter des Menschen in seinen Kellern und Wohnungen, kann auch in geheizten Innenräumen überleben, kommt aber auch im Freiland an Mauern und an Bäumen vor. Man erkennt diese einfarbig braune Art am fettigen Glanz (Name!) des Hinterleibs mit hellem Vorderrand und vier kleinen dunkelbraunen Punkten auf der Oberseite. 

Fettspinnen sieht man selten umherlaufen. Meist sitzen sie in Ritzen und Schlupfwinkeln in Ecken, Regalen, auch hinter Büchern, an Fensterrahmen und in Schränken. Sehr viel öfter kann man ihre Netze entdecken - falls Staubwedel oder Staubsauger nicht allzu eifrig in der Wohnung unterwegs sind: Feinmaschige Deckennetze in Ecken und Nischen, mit Spannfäden nach oben befestigt und über leimbesetzte Fangfäden, die zum Boden gespannt sind, als sehr effektive Fallen für alle umherlaufenden Insekten wirkend. Gerät ein Beutetier an diese unter Spannung stehenden Leim-Fangfäden, kleben sie fest, die Fäden lösen sich vom Boden und schnellen nach oben, die Beute mitreißend. Die Fettspinne eilt herbei, umspinnt das Opfer und transportiert es zum Fressen in ihren Schlupfwinkel. Durch ihre zwar unscheinbar wirkenden, aber sehr effektiven Fangnetze können Kugelspinnen oft sehr große und auch wehrhafte Beute fangen - und halten uns im Haus auch sicher einige Plagegeister vom Leib.

Theridiiden Netz 3 3

Fangnetz einer Fettspinne mit typischen, zum Boden gespannten Leim-Fangfäden.

Die Gewöhnliche Fettspinne Steatoda bipunctata bietet bei der, übrigens meist sehr friedlich verlaufenden Balz noch ein besonderes Schauspiel: Die schlankeren Männchen mit auffallend großen Pedipalpen als Kopulationsorgane verfügen zudem über ein Schrillorgan aus Rillen am Hinterende des Vorderkörpers und einer Vorderkante am Hinterleib, mit dem sie leise zirpende Töne erzeugen, die die Weibchen aus ihrem Schlupfwinkel ins Gespinst des Männchens locken.

Steatoda bipunctata Fettspinne 54   Steatoda bipunctata Fettspinne 5

Balz und Paarung der Gewöhnlichen Fettspinne Steatoda bipunctata

Weitere Informationen im Wiki der ARAGES:   Gewöhnliche Fettspinne  Dreiecks-Fettspinne

Bildquellen: Foto 1 -5  W. Braunstein
Literatur:

Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.

Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.

Foelix RF (1996): Biology of Spiders. Oxford Thieme. 2. Auflage. ISBN 0-19-509594-4, 330 S.

Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2012): Spinnen Europas. Version 01.2012. Online