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67433 Neustadt a. d. Weinstraße
Tel.: (0 63 21) 92 17 68
Fax: (0 63 21) 92 17 76
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Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), oft einfach nur Ambrosia genannt, ist eine aus Nordamerika stammende Pflanzenart, die sich inzwischen in weiten Teilen Europas (so auch in Deutschland und Rheinland-Pfalz) ausgebreitet hat. Besondere Aufmerksamkeit wird der Pflanze aufgrund ihres sehr hohen allergenen Potenzials entgegengebracht; sie kann heuschnupfenartige Symptome oder Asthma auslösen. Selbst wer bislang den Blütenstaub von Gräsern und Gehölzen folgenlos einatmet, kann durch Ambrosien zum Pollenallergiker werden. In einigen Regionen Frankreichs und Italiens mit umfangreichen Ambrosia-Vorkommen reagiert schon jeder Zehnte auf deren Pollen. Bei empfindlichen Personen sind durch den Kontakt mit der Pflanze auch Hautreizungen möglich.

Daneben verursacht Ambrosia artemisiifolia als Unkraut auch Probleme in der Landwirtschaft und für den Naturschutz. Um Gesundheitsschäden und negativen Auswirkungen auf die Natur vorzubeugen, muss vielerorts bereits die weitere Ausbreitung der Art verhindert oder zumindest eingedämmt werden. Dies setzt aber voraus, dass ein ausreichender Kenntnisstand zur Verbreitung von Ambrosiaartemisiifolia vorliegt. In Rheinland-Pfalz richtet der Neubürger im Pflanzenreich bisher noch keinen größeren Schaden an. Vorbeugend soll der Art jedoch auch hier mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden.

Die Ambrosien stammen aus Nordamerika; nach Europa gelangten sie zunächst um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit verunreinigten Getreidelieferungen. Der allergrößte Teil der Vorkommen geht jedoch auf Vogelfutter zurück. Die Ambrosie wächst unter anderem in Sonnenblumenfeldern; ihre Früchte geraten bei der Ernte zwischen die Sonnenblumenkerne, mit ihnen ins Futterhäuschen und von dort auf den Boden, wo die Samen keimen.

Noch vor ungefähr 20 Jahren war die Ambrosie in Mitteleuropa selten und dementsprechend kein Problem. Inzwischen allerdings profitiert sie von der Klimaerwärmung. Die Ambrosie gelangt frühestens im Juli, meist erst ab August zur Blüte und bislang konnten ihre Früchte kaum einmal reifen. Mittlerweile gelangt die Ambrosie aber wegen höherer Sommerwärme und erst später im Herbst einsetzender Fröste regelmäßig zur Fruchtreife und samt sich aus.

Im österreichischen Burgenland sowie im mittleren und südlichen Frankreich wird man die Ambrosie nicht mehr beseitigen können, zu häufig ist sie dort geworden: Selbst Wegränder mitten im Wald werden dort regelmäßig von ihr besiedelt. Die Schweiz stemmt sich unter anderem mit Gesetzen gegen die Ausbreitungswelle: Seit 2006 besteht dort eine Melde- und Bekämpfungspflicht. Wer solche Pflanzen findet, muss sie ausreißen oder zumindest das Vorkommen den Behörden melden.

In Rheinland-Pfalz ist entlang von Straßen eine schnelle Ausbreitung von Ambrosia artemisiifolia zu beobachten. Große Bestände sind aus dem Raum Mannheim-Ludwigshafen und der dort verlaufenden B 9 bekannt, wobei zu vermuten ist, dass sich Bestände von Ambrosia artemisiifolia auch an zahlreichen weiteren Orten in Rheinland-Pfalz befinden.

Die Naturschutzverbände POLLICHIA, NABU und BUND haben es sich nun gemeinsam mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten zur Aufgabe gemacht, den noch unzureichenden Kenntnisstand zur Verbreitung der Art in Rheinland-Pfalz zu verbessern. Das Projekt wird von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz gefördert.

Zur Erfassung der Ambrosia-Bestände wird das Online-Artenerfassungssystem ArtenFinder RLP (www.artenfinder.rlp.de) genutzt, welches es ermöglicht, punktgenaue Ambrosia-Fundorte zu melden. Hierbei werden Bürgerinnen und Bürger beteiligt, indem sie ihre Fundmeldungen mit Fundort und –datum sowie mit einem Foto der Pflanze übermitteln und somit einen Beitrag zur Erforschung der Ambrosia-Vorkommen leisten können. Erste aktuelle Fundorte (z.B. im Raum Geinsheim und Speyer) wurden bereits gemeldet und bestätigt. Da neben Ambrosia artemisiifolia auch eine zweite Art, Ambrosia coronopifolia, in Rheinland Pfalz vorkommt (Mazomeit 2006) und da sich die Wuchsform der Pflanzen durch Mahd verändern kann, ist eine sichere Artbestimmung oft schwierig. Unterstützt wird das Melde-Projekt daher durch den Pflanzen-Experten Johannes Mazomeit aus Ludwigshafen, der sich schon seit vielen Jahren mit der Ausbreitung von Neophyten, also Neubürgern im Pflanzenreich, in Rheinland-Pfalz beschäftigt.

Während die Vorkommen des Beifußblättrigen Traubenkrautes an Straßenrändern vergleichsweise gut untersucht sind, können Bürgerinnen und Bürger vor allem im Siedlungsbereich wertvolle Hinweise auf Ambrosia-Vorkommen liefern. Brachen in Wohn- und Gewerbegebieten, Grünflächen an Bahnhöfen, Parkplätze und öffentliche Grünflächen bieten der Art vielerorts geeignete Wuchsbedingungen. Aber auch in Hausgärten kann die Art vorkommen. Idealerweise erfolgt die Meldung mit einem Foto der Pflanze sowie mit Angaben zur Anzahl der gesichteten Exemplare. Ein Artenportrait mit Fotos von Ambrosia artemisiifolia sowie der leicht mit ihr zu verwechselnden Ambrosia coronopifolia finden sich unter www.flora-rlp.de (Artenportraits). Auf dieser Seite wird auch ein direkter Link zum ArtenFinder bereitgestellt.

Meldungen können entweder über die Internet-Meldeseite www.artenfinder.rlp.de übermittelt werden oder auch per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Über die Entwicklung dieses Projekts zur Ambrosia-Erfassung in Rheinland-Pfalz werden wir in den nächsten Ausgaben des POLLICHIA-Kuriers berichten!

Für den kommenden Winter ist es wichtig zu beachten, dass bei der Winterfütterung von Vögeln nur Futter verwendet wird, das keine Ambrosia-Samen enthält. Etliche Anbieter garantieren dies auf den Verpackungen. Vogelfutter ohne solche Hinweise sollte nicht verwendet werden. Hat sich Ambrosia erst einmal etabliert, ist sie nur noch sehr schwer zu beseitigen, da die Samen bis zu 40 Jahre lang keimfähig bleiben und abgemähte Pflanzen regenerieren; binnen weniger Wochen können sie bereits wieder zur Blüte gelangen. Wer Ambrosia-Pflanzen durch Ausreißen bekämpfen will, sollte dies vorzugsweise bei Regen tun; dann streuen die Pflanzen keine Pollen und das Risiko, sich eine Allergie einzuhandeln, ist vergleichsweise gering. Die ausgerissenen Pflanzen gehören nicht in den Kompost oder den Grünabfall, weil die Samen möglicherweise ihre Keimfähigkeit beim Kompostieren nicht verlieren. Die Restmülltonne ist der richtige Platz für Ambrosien.

Literatur

Mazomeit, J. (2006): Zur aktuellen Ausbreitung von Ambrosia artemisifolia in der Pfalz. POLLICHIA-Kurier 22/4: 2-8.

Annalena Schotthöfer, Landau
Oliver Röller, Haßloch