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Zur Verbreitung des Röhrigen Wasserfenchels (Oenanthe fistulosa) in der Pfalz

 

Einleitung

Der Röhrige Wasserfenchel (Oenanthe fistulosa) wird auf der neuen Roten Liste der Gefäßpflanzen von Rheinland-Pfalz (2018) als „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Tatsächlich gibt es aus den letzten 10 Jahren nur wenige neue Meldungen der Art. Christian Weingart hat bei seiner Kartierung „Flora zwischen Landau und Germersheim“ (siehe Weingart-Kartierung) gegen 2000 die Art an etlichen Stellen nachweisen können. 2021 wurden von Peter Thomas und Christian Weingart diese und andere von früher bekannte Wuchsorte des Röhrigen Wasserfenchel aufgesucht, um ein aktuelles Bild von der Verbreitung und Gefährdung der Art zu erhalten.

 

Quellen / Danksagung

Neben den Geländeunterlagen von Christian Weingart wurde das Artdatenportal des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) ausgewertet. Das LfU stellte freundlicherweise zusätzlich noch die Abfrageergebnisse der neueren Biotopkartierungen zur Verfügung. Außerdem wurden Gebietskenner und das Pfalzmuseum kontaktiert. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Herrn Bischoff, Herrn Dechent, Herrn Fritsch, Herrn Gorell, Herrn Hilsendegen, Herrn Keller, Herrn Kitt, Frau Kruse, Herrn Mannfeld und Herrn May. Die Pollichia-Kreisgruppe Germersheim unterstützte dankeswerterweise finanziell den Aufbau einer GIS-Datenbank. Hinweise auf die Ökologie der Art verdanken wir Anja Görger.

 

Die Art

OenFis Bluete Ruth Trauth Remme 500x679Blühende Pflanzen des Röhrigen Wasserfenchels sind bis zu 70 cm hoch und sofort als Doldengewächs zu erkennen.

Bild 1: Blüte des Röhrigen Wasserfenchels (Foto: Ruth Trauth-Remme,13.7.2013, Eisweiher NE Ottersheim),
zum Vergrößern bitte anklicken

OenFis red VKL 300x224
Im Gebiet kommt die Art jedoch meistens steril vor. So konnten 2021 trotz intensiverer Suche an den 41 Stellen nur sterile Pflanzen gefunden werden. Diese sind nur 5 bis 25 cm hoch und bilden meistens mittels Ausläufer größere Flecken von gefiederten Blättern, die kleinen Blättern der Glatten Petersilie ähneln, aber nach Möhre schmecken. Der Röhrige Wasserfenchel kommt im Gebiet meistens in Flutmulden nährstoffarmer Wiesen vor. Dort übersteht er sogar kurze Zeiten mit Eisbedeckung, weshalb die Art noch im Dezember nachgewiesen werden kann. Länger überflutete Pflanzen bilden Unterwasserblätter mit linealichen Zipfeln.

Bild 2: Blätter des Röhrigen Wasserfenchels (neben Kriechendem Hahnenfuß) unter etwa 5 cm Wasser.
Foto: Peter Thomas, 7.11.2021 NW Minderslachen
,
zum Vergrößern bitte anklicken

Biotop

OenFis mit Pfeil 300x400
Während der Röhrige Wasserfenchel etwa in Bayern oder der Schweiz seine Vorkommen überwiegend an Wiesengräben hat, lagen 2021 in der Pfalz sämtliche aktuellen Vorkommen innerhalb von temporär wassergefüllten Mulden oder flachen Rinnen in Wiesen (s. Foto). Historische Angaben zeigen aber, dass zu Zeiten als die Wiesengräben noch mit Hand (und daher relativ flach) angelegt wurden, die Art etwa in flachen Gräben der Wässerwiesen häufig war. An Standorten ohne regelmäßige menschliche Eingriffe, wie etwa an Altrheinufern, konnte die Art bei uns nicht beobachtet werden. Sie ist daher wahrscheinlich ein Archaeophyt, also eine Pflanzenart, die erst mit dem Menschen in die Landschaft der Oberrheinebene einwandern konnte.

Bild 3: Vorkommen des Röhrigen Wasserfenchels in einer temporär überfluteten Senke einer zweischürigen Wiese (Foto: Peter Thomas, 31.12.2021, SW Kandel), zum Vergrößern bitte anklicken

 

 

Verbreitung in der Pfalz

Die Karte unten gibt eine Übersicht über die Verbreitung in der Pfalz. 2020 bis Januar 2022 wurde der Röhrige Wasserfenchel in der Pfalz an 41 Stellen nachgewiesen. Meistens handelt es sich um kleine bis wenige hundert Quadratmeter große Wiesenbereiche, in denen die Art vorkommt. Der Gesamtbestand umfasst nur etwa 79 Quadratmeter Blattfläche. Die größten Vorkommen finden sich aktuell in den Queichwiesen (an 17 Stellen auf 5 Kilometer Länge, hier insgesamt 23 Quadratmeter Blattfläche), zwischen Kandel und dem Bienwald (an 7 Stellen in zwei Wiesen 24 Quadratmeter) in den Lauterwiesen (an 6 Stellen in drei Wiesen 4,7 Quadratmeter).

Außerhalb der Vorkommen in der Pfalz gibt es in Rheinland-Pfalz aktuell allenfalls noch ein gesichertes Vorkommen im Laubenheimer Ried bei Mainz, das aber seit etlichen Jahren nicht mehr nachgewiesen wurde.

OenFis Uebersicht grob 700x628
Bild 4: Karte (grob) zur Übersicht der Verbreitung in der Pfalz,  zum Vergrößern bitte anklicken

 

Gefährdung und Schutz

Die Art ist recht wuchsschwach und bleibt meist niedrigwüchsig. Daher reagiert sie empfindlich auf eine intensivere Düngung. An etwas wüchsigeren Standorten besteht die Gefahr, dass der Wasserfenchel in der Sommerzeit durch die hochwüchsige Begleitvegetation ausgedunkelt wird. Zum Überleben ist dort eine zweischürige Mahd zwingend erforderlich, denn die sterilen Pflanzen werden durch eine Mahd kaum geschädigt, aber ihr Wuchsort erhält wieder viel Licht. Dank der Möglichkeit einer vegetativen Vermehrung über Rhizome und oberirdische Ausläufer muss der Röhrige Wasserfenchel nicht zur Blüte kommen. In besonderen Jahren mit einem ungewöhnlich nassen Sommer, wo die nassen Mulden in den Wiesen nicht gemäht werden können, dürften die Pflanzen auch im Gebiet blühen und aussamen können. Nach der Literatur sollen die Samen recht keimfreudig sein.

Im Bereich der Queichwiesen erscheinen die Bestände aktuell gesichert zu sein. Beim Vergleich mit der Kartierung von Christian Weingart (gegen 2020) konnten die meisten früher kartierten Wuchsorte bestätigt werden. Erloschen sind hingegen frühere Wuchsorte außerhalb der Wiesen, an Ufern von Weihern und an Grabenrändern.

Relativ ungefährdet dürften auch die Bestände nördlich und südlich des Bienwaldes sein, sofern hier nicht eine Nutzungsänderung erfolgt. Aufgrund ihrer geringen Größe erscheinen hingegen die übrigen Vorkommen hochgradig gefährdet.

Für die Förderung und den Schutz der Art ist einerseits eine „intensive Wiesenmahd“, d. h. eine regelmäßige zweischürige Mahd (z.B. Anfang Juni und Ende August) und andererseits eine „extensive Düngung“ (keine mineralische Stickstoffdüngung der Wuchsbereiche) erforderlich. Die Vorkommen sind daher potentiell sowohl durch Intensivierung, als auch durch gut gemeinte aber zu starke Extensivierung gefährdet! Sobald sich nämlich durch temporäre Bracheperioden (z.B. „Extensivierung als Pfeifengras-Streuwiese“) eine Streuschicht bildelt, haben es die Pflanzen deutlich schwerer, sich steril auszubreiten. Ein generative Verjüngung ist dann ebenfalls ausgeschlossen, denn die Samen benötigen viel Licht. Nur an zwei Stellen der Lauterwiesen waren die Standorte so nährstoffarm, dass die Art auch in einschürigen Binsen-Pfeifengraswiesen vorkam.

 

Ausblick

2022 soll in einzelnen Gebieten nochmals intensiver nach der Art gesucht werden. Insbesondere soll in den Gebieten auf MTB 6515 und 6516, wo nach Lang & Wolff (1993) noch Vorkommen zwischen 1950 und 1992 beobachtet wurden, kontrolliert werden, ob die Art dort wirklich erloschen ist.

Gleichzeitig sollen die Ergebnisse der Kartierung an die Biotopbetreuer und an den Vertragsnaturschutz übergeben werden. Wenn Sie weitere aktuelle Vorkommen des Röhrigen Wasserfenchels kennen, so melden Sie sie bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

 

Ergänzende Links

 

  1. Allgemeine Informationen, u.a. zur weltweiten Verbreitung
    https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hriger_Wasserfenchel
        

  2. Verbreitungskarte Deutschland
    https://floraweb.de/webkarten/karte.html?taxnr=3873
        

  3. Bilder zum Röhrigen Wasserfenchel in Bayern
    https://daten.bayernflora.de/de/info_pflanzen.php?taxnr=3873
        

  4. Artenhilfsprogramm zum Röhrigen Wasserfenchel in Bayern
    https://www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprogramm_botanik/merkblaetter/doc/01lfumerkblatt_oenathe_fistulosa.pdf
       
  5. Situation der Art in der Schweiz
    https://www.infoflora.ch/de/flora/oenanthe-fistulosa.html

 

 

 

 

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