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Naturforschung · Naturschutz · Umweltbildung

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Seit 2014 pflegt die POLLICHIA die Fläche der ehemaligen Nato-Raketenbasis bei Hassloch und erhält somit ein wertvolles Habitat für die geschützten Tierarten. (Hinweis: diese Fläche gehört NICHT der POLLICHIA, wird aber als weiteres wertvolles Beispiel mit aufgeführt).

POLLICHIA organisiert regelmäßige Exkursionen zu dem früheren Militärgelände, wo sich Neuntöter und Heidelerche, Bergmolch und Knoblauchkröte zuhause fühlen.

Von der Militärbasis zum Artenvielfalt-Hotspot

1963 bis 1995 diente die am südlichen Rand des Haßlocher Waldes liegende Bundesliegenschaft der US-Army als Raketenbasis, später als Abstellfläche für Militärfahrzeuge. Heute bietet die vom Militär hinterlassene Offenlandschaft vielen geschützten Tierarten ein Zuhause.

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POLLICHIA Projekt Nike Station PflegeInfotafel Nike-Station - klicken zum Vergrößern  

Das Gelände liegt im EU-Vogelschutzgebiet „Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen“ und beherbergt geschützte Vogelarten wie Ziegenmelker, Neuntöter, Wendehals, Heidelerche, Baumpieper und Grauspecht. Auch seltene Amphiben wie Kammmolch, Bergmolch, Grünfrosch, Springfrosch, Laubfrosch, Kreuzkröte, und Knoblauchkröte haben hier Ihr Zuhause. Ebenso die Gottesanbeterin oder Grüne Strandschrecke finden hier ein geeignetes Habitat.

Auch wenn die Insekten des Gebietes bisher nur wenig erfasst sind, so sind bisher trotzdem interessante Arten verschiedener Lebensräume festgestellt worden. An den Gewässern des Gebietes lebt die Gabel-Azurjungfer. Von dem Dung der Weidetiere profitiert der bizarre Stierkäfer. An Schwertlilien finden sich Weißpunktige Schwertlilienrüssler. Auf gelben Hahnenfußblüten sucht der Weißhaariger Eckschild-Prachtkäfer nach Nahrung.

Wasserbüffel auf der ehemaligen Nike-Raketenstation

Wasserbueffel 1 400x300Seit Mitte November 2025 hat unsere vertraute kleine Herde aus Glan- und Hereford-Rindern auf der ehemaligen Nike-Raketenstation im Hasslocher Wald Gesellschaft bekommen: Weibliche Wasserbüffel mit ihren Kälbern sind nun auf der Fläche unterwegs und verstärken das bisherige „Beweidungs-Team“.

Wasserbueffel 2 500x327Die schwarzen Rinder, die sich auch in ihrem wildtierhaften Verhalten durchaus von den Hausrindern unterscheiden, gelten als sehr effektive Weidetiere: Das Nahrungsspektrum der Büffel ähnelt zwar dem von Rindern, aber aufgrund einiger Unterschiede im Verdauungssystem verwerten sie jedoch Nahrung geringer Qualität und mit hohem Zellulose-Anteil besser. Büffel verzehren Röhricht-Vegetation wie Schilf, Schwaden, Schwertlilie und Rohrkolben in stärkerem Umfang als Rinder und können im Winter auch mit schlechterer Nahrung wie Binsen auskommen. Wir beobachten auch, wie sie die überall lästigen Brombeeren fressen. Wassserbüffel eignen sich sehr gut, wenn eine Öffnung dichter Vegetation und eine Freihaltung von Gewässern gewünscht ist – so wie auf der Fläche der ehemaligen Raketenstation. Durch die Anlage von Suhlen werden Pionierarten gefördert und die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten enorm gefördert.

Wasserbüffel erweisen sich in Mitteleuropa als sehr robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten und raue Witterung. Sie gelten zwar als umgänglich und werden auch futterzahm, doch nach der Kalbung sind die Mutterkühe stets wachsam und schützen ihren Nachwuchs energisch.

Die Schmetterlinge

Nike Gelaende SchmetterlingeVon der Roten Liste der Großschmetterlinge in Rheinland-Pfalz leben in dem Gebiet mindestens 40 Arten, darunter: Heidekraut-Blütenspanner, Rötlicher Trockenrasen-Zwergspanner, Smaragdspanner, Steppenheiden-Gitterspanner und der Zweifarbige Doppellinien-Zwergspanner als hervorzuhebende Arten trockener Magerflächen. Die gefährdeten Arten Ried-Grasmotteneulchen und die Weißgraue Sumpfgraseule stammen aus den Feuchtbiotopen in den Randbereichen des Gebietes oder fliegen möglicherweise aus den angrenzenden Königswiesen zu. Hier dominieren Arten von Wald- und Waldrandbiotopen, darunter sind zu nennen Erlenmoor-Flechtenbärchen, Hummelschwärmer, Grauer Gürtelpuppenspanner, Laubwald-Grünspanner, Silgen-Blütenspanner, Silberfleck-Zahnspinner und unter den Tagfaltern der Große Fuchs.

Ausführlich dargestellt ist die Schmetterlingspopulation in:
OCHSE, M., BLUM, E. & SCHEYDT, N. (2018): Schmetterlinge in der ehemaligen Nike-Station, POLLICHIA-Kurier 34/4, Seite 20-24 : siehe hier

Die Entstehung des wertvollen Habitats

1962 begann die Rodung der Fläche für die Nato-Raketenbasis, 1963 präsentierte das US-Militär die einsatzbereite Station mit Nike-Flugabwehrraketen. 1983 wurden die Raketen abgezogen, die Fläche war dann zwölf Jahre lang Abstellplatz für Militärfahrzeuge. Ein Großteil wurde geschottert. 1995, nach dem Abzug der Soldaten, fiel das 16 Hektar große Areal zurück an die Bundesvermögensverwaltung, die heutige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und somit an den Bund als Eigentümer, und lag jahrelang brach. Auf der Fläche hat sich auf sandigem Magerrasen, Zwergstrauch-Heiden oder Pfeifengraswiesen eine dafür typische Tier- und Pflanzenwelt herausgebildet. Verschiedene Möglichkeiten der Nachnutzung wurden geprüft, unter anderem ein Geothermiekraftwerk. Zeitweise nutzte der Forstzweckverband die Fläche als Lager und Umschlagplatz für Brennholz. 2010 entschied sich die US-Army während der Erweiterung des US- Depots Germersheim zu einem europäischen Logistikzentrum, die ehemalige Nike-Station als Ausgleichsfläche für Eingriffe in Natur und Landschaft aufzuwerten, die seltenen Lebensräume zu erweitern und mit einer langfristigen Pflege zu erhalten. 2014 wurde POLLICHIA Pflegepartner und die Beweidung mit Zebu-Rindern beschlossen. Daneben wurden Nistkästen für Vögel und Überwinterungskästen für Fledermäuse aufgehängt und weitere Gewässer für Amphibien und Libellen angelegt. Der Rückbau der Gebäude, die Beseitigung von Altlasten, die Anlage weiterer Biotope und die 30-jährige Pflege des Areals werden von der US-Army aus Geldern für den Ausbau des Depots Germersheim finanziert.

Die Raketenstation liegt am geteerten Radweg von Neustadt nach Speyer und ist zu Fuss oder mit dem Rad ideal zu erreichen. Schauen Sie mal vorbei oder besuchen Sie eine der zahlreichen POLLICHIA-Exkursionen.

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Weiterführende Links:

BISCHOFF, H. & THOMAS, F. (2023): Die gegenwärtigen Entwicklungen auf der Nike-Station im Haßlocher Wald, POLLICHIA-Kurier 39/1, Seite 36-37: siehe hier

RAUSCH, R. (2022): Spezialauftrag für Kuhnibert, Artikel in der "Rheinpfalz" vom 25.10.2022: siehe hier

MÜLLER, J. (2015): Naturschutz in der ehemaligen Nike-Raketenstellung, in:  GEIGER, M. & Helb, H.-W. (Hrsg.)"Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung, 175 Jahre POLLICHIA" (Jubiläumsband 2015), Kapitel 5.07, Seite 184-185: siehe hier

Weitere Informationen zu den Arten:

OCHSE, M., BLUM, E. & SCHEYDT, N. (2018): Schmetterlinge in der ehemaligen Nike-Station, POLLICHIA-Kurier 34/4, Seite 20-24:  siehe hier

Arten-Analyse Rheinland-Pfalz: https://www.artenanalyse.net/artenanalyse/