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Naturforschung · Naturschutz · Umweltbildung

 

Jeden Monat ruft der ARBEITSKREIS SPINNEN alle Naturinteressierten auf, nach einer ausgewählten, gut zu erkennenden Spinnenart oder einer Artengruppe zu suchen und die Beobachtungen im Artenfinder RLP zu melden. So hoffen wir, deutlich mehr Informationen zur Spinnenfauna unserer Heimat zu bekommen. 

Cheiracanthium punctorium Ammendornfinger W 1        Cheiracanthium punctorium Ammendornfinger Gespinst 2

Ammendornfinger, Cheiracanthium punctorium, Weibchen       Ammendornfinger, Cheiracanthium punctorium, Gespinst

Im August wird unser Meldeaufruf ein bisschen aufregender als gewöhnlich, da wir nach der tatsächlich einzigen einheimischen Spinne suchen, deren Biss auch für den Menschen ernsthafte Folgen haben kann, wenngleich keine wirklich dramatischen: Die Ammendornfingerspinne Cheiracanthium punctorium. Diese, mit 10-15mm Körperlänge recht große Spinne wird man am ehesten finden, wenn man nach den auffallenden, bis nussgroßen sackförmigen Gespinsten sucht, die meist an der Spitze von Grasblüten und ähnlichen Strukturen gebaut werden, ausschließlich in der Kraut- und Strauchschicht ausgesprochen warmer Lebensräume, sowohl trocken als auch feucht. Die Spinnen selbst sind nachtaktiv und tagsüber eher selten zu beobachten. Der Ammendornfinger ist eine wärmeliebende Art, die im Mittelmeerraum weit verbreitet ist und in Deutschland nur in warmen Regionen vorkommt, tatsächlich mit zwei Vertreitungsschwerpunkten im Südwesten und im Nordosten des Landes.

Cheiracanthium punctorium ist - neben der Größe - gut am deutlich verlängerten ersten Beinpaar, den dunklen "Socken" an den Beinen sowie den großen, beim Männchen besonders abstehenden rötlichen Cheliceren zu erkennen. Auch die meist sehr gelbe Hinterleibsfärbung mit dunklem Band in der Hinterkörpermitte ist ein gutes Merkmal. 

Cheiracanthium punctorium Ammendornfinger M 3        Cheiracanthium punctorium Ammendornfinger M Portrait 4 Cheiracanthium punctorium Dornfinger 1 5

Ammendornfinger, Cheiracanthium punctorium, Männchen                                      Wachendes Weibchen mit Jungen im Gespinst

Der wissenschaftliche Name Cheiracanthium bildet sich aus den beiden griechischen Wörtern „cheir” (Hand) und „akantha” (Dorn) und bezieht sich auf einen langen Sporn am Pedipalpus der Männchen. Der Artname „punctorium” leitet sich vom lateinischen Wort „punctum” (Stich) ab. Der deutsche Name Ammendornfinger bezeichnet die Eigenschaft der Weibchen ihre Jungen bis zur Selbstaufgabe zu hüten und zu verteidigen. Hier liegt auch der Grund für etwaige Bissunfälle mit dieser Spinnenart: Öffnet man unvorsichtigerweise das schützende Gespinst der Mutterspinne, greift diese sofort an und versucht den Eindringling zu beißen.

Cheiracanthium punctorium Dornfinger W Gift 6 Ammendornfinger, bissbereites Weibchen mit austretenden Gifttröpfchen

Mit den großen Cheliceren und den starken Giftklauen können Ammendornfinger, anders als die meisten anderen einheimischen Spinnen, die menschliche Haut durchdringen. Sie überwältigen auch bei ihrer Jagd nach Nahrung große Insekten wie Große Grüne Heupferde oder Gottesanbeterinnen. Beim Menschen - so die Berichte glaubwürdiger Betroffener - hält die Giftwirkung schmerzhaft über einige Tage an und führt auch zu Kreislaufproblemen und Schwäche. Daher bitte: Vorsicht bei der Suche!. Gespinst nicht öffnen. Im Gegenlicht ist die Spinne auch ohne Störung meist erkennbar und angesichts ihrer Größe und der des Gespinstes ziemlich sicher zu bestimmen.  

 

Weitere Informationen im Wiki der Arages

Bildquellen: Foto 1 - 4 & 6: Vanessa Oehmig Foto 5: W. Braunstein

Bellmann H (2001): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Frankh-Kosmos Verlag. ISBN 3-440-09071-X, 304 S.

Bellmann H (2010): Der Kosmos Spinnenführer: Über 400 Arten Europas. Kosmos. 1. Auflage. ISBN 3-440-10114-2, 429 S.

Nentwig W, Blick T, Bosmans R, Gloor D, Hänggi A & Kropf C (2012): Spinnen Europas. Version 01.2012. Online https://www.araneae.nmbe.ch